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PCB in Gebäuden: Fugendichtmassen, Richtwerte, Sanierung

Kurz gesagt: Hier geht es nicht um die Leiterplatte (englisch „printed circuit board“), sondern um polychlorierte Biphenyle (PCB), einen Schadstoff in älteren Gebäuden. Sie wurden seit den 1950er Jahren als Weichmacher — ein Zusatzstoff, der Kunststoffe geschmeidig hält — unter anderem in dauerelastischen Fugendichtmassen zwischen Betonfertigteilen eingesetzt. Auch Anstriche, Klebstoffe und Deckenplatten können PCB enthalten, ebenso Kondensatoren von Leuchtstoffleuchten (PCB-Richtlinie, Einleitung). Ob ein Material PCB enthält, klärt nur eine Laborprobe.

Wo PCB verbaut wurde

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt erstreckt sich die Verwendung PCB-haltiger Fugendichtmassen insbesondere über die Jahre 1955 bis 1975, das Maximum liegt zwischen 1964 und 1972. Die offene Anwendung von PCB wurde 1978 verboten. Später eingebaute Fugendichtmassen sind nach Angaben des Landesamts nachweislich häufig noch mit PCB belastet (bis Anfang der 1990er Jahre); das Baujahr allein gibt deshalb keine ausreichende Sicherheit (LfU Fugendichtmassen).

Nicht jede graue Fuge enthält PCB: Die weitaus größere Menge der „Thiokol“-Fugenmassen war PCB-frei (PCB-Richtlinie, sinngemäß). Offen angewendet wurden PCB außerdem in Anstrichen und Beschichtungen, Klebstoffen, Deckenplatten, Kunststoffen und Kabelummantelungen (PCB-Richtlinie, Einleitung).

Grenz- und Richtwerte für Innenräume

Die PCB-Richtlinie (Fassung September 1994, von den Bauministern der Länder verabschiedet) nennt einen Vorsorgewert von 300 und einen Interventionswert von 3.000 Nanogramm je Kubikmeter Raumluft, bezogen auf die Summe der sechs Leitkongenere mal 5 (PCB-Richtlinie, Abschnitt 3).

Das Umweltbundesamt hat im Bundesgesundheitsblatt (online 14. Januar 2025) einen Richtwert I von 80 und einen Richtwert II von 800 Nanogramm je Kubikmeter bekannt gemacht, weil die Tierdaten hinter den Werten von 1994 nicht mehr dem Stand des Wissens entsprechen (UBA/AIR 2025, sinngemäß).

Der Unterschied in einem Satz: 300 und 3.000 sind die älteren Werte der Bauministerrichtlinie von 1994, 80 und 800 die jüngere gesundheitliche Bewertung des Umweltbundesamts von 2025. Welcher Wert in einem konkreten Fall herangezogen wird, entscheidet die zuständige Behörde. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Sorgen wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wert (Summe von sechs Kongeneren mal 5) Herkunft
300 ng/m³ Raumluft Vorsorgewert, PCB-Richtlinie 1994
3.000 ng/m³ Raumluft Interventionswert, PCB-Richtlinie 1994
80 ng/m³ Raumluft Richtwert I (Vorsorge), UBA 2025
800 ng/m³ Raumluft Richtwert II (Gefahr), UBA 2025

PCB-Abfall und Entsorgung

Die PCB/PCT-Abfallverordnung erfasst Zubereitungen und Erzeugnisse, die insgesamt mehr als 50 Milligramm je Kilogramm PCB enthalten. Besteht der Verdacht auf einen solchen Gehalt, gilt sie entsprechend, bis Abfallerzeuger oder Abfallbesitzer nachweisen, dass der Gehalt darunter liegt (§ 1 PCBAbfallV). Der Besitzer hat PCB unverzüglich zu beseitigen (§ 2 Abs. 1 PCBAbfallV). Bau- und Abbruchabfälle, die PCB enthalten, führt die Abfallverzeichnis-Verordnung unter dem Abfallschlüssel 17 09 02* als gefährlichen Abfall (AVV, Anlage). Den Entsorgungsweg klärt die Entsorgungsfirma oder die Abfallbehörde.

Was das für eine Sanierung bedeutet

Wir raten davon ab, verdächtige Fugen oder Anstriche selbst zu entfernen.

Tätigkeiten mit PCB-haltigen Bauprodukten, etwa Fugenmassen und Anstrichen, fallen unter die TRGS 524 (Abschnitt 2.4). Die Gefährdungsbeurteilung dafür darf nur eine fachkundige Person erstellen (TRGS 524, Abschnitt 3.1). Die im Portal gelisteten Betriebe haben laut Landesliste eine Erlaubnis oder Genehmigung für Asbestarbeiten (§ 11a GefStoffV); ob ein Betrieb Erfahrung mit PCB-Sanierung hat, sagt das nicht. Fragen Sie gezielt danach.

Häufige Fragen

Ist mit PCB die Leiterplatte gemeint?

Nein, nicht auf dieser Seite. Die Abkürzung steht auch für „printed circuit board“ (Leiterplatte). Hier sind polychlorierte Biphenyle gemeint, ein Schadstoff in Fugendichtmassen, Anstrichen und Kondensatoren älterer Gebäude (PCB-Richtlinie, Einleitung).

Wo wurde PCB in Gebäuden verbaut?

Vor allem in dauerelastischen Fugendichtmassen, etwa zwischen Betonfertigteilen, nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt insbesondere in den Jahren 1955 bis 1975 (LfU Fugendichtmassen). Außerdem in Anstrichen, Klebstoffen und Deckenplatten (PCB-Richtlinie, Einleitung).

Welche Werte gelten für PCB in der Raumluft?

Die PCB-Richtlinie nennt 300 (Vorsorge) und 3.000 Nanogramm je Kubikmeter (Intervention), das Umweltbundesamt hat 2025 neue Richtwerte von 80 und 800 bekannt gemacht. Herkunft und Stand stehen im Abschnitt „Grenz- und Richtwerte“ und im Quellen-Abschnitt.

Wie finde ich heraus, ob eine Fuge PCB enthält?

Nur eine Materialprobe im Labor gibt Sicherheit, das Baujahr allein genügt nicht (LfU Fugendichtmassen). Erst danach lässt sich einordnen, ob eine Raumluftmessung in Frage kommt.

Wer führt eine PCB-Sanierung durch?

Wir raten davon ab, PCB-haltige Fugen oder Anstriche selbst zu entfernen: Für solche Tätigkeiten gilt die TRGS 524, und die Gefährdungsbeurteilung darf nur eine fachkundige Person erstellen (TRGS 524, Abschnitt 3.1). PCB aus Fugenmassen oder Beschichtungen kann laut Umweltbundesamt auch heute noch in die Raumluft gelangen, wenn Räume nicht oder nur unzureichend saniert wurden (UBA/AIR 2025, S. 1). Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Vom Wissen zum Betrieb

Nennen Sie Bauteil, Baujahr und Ort. Wir geben Ihre Anfrage exklusiv an einen Fachbetrieb, der laut amtlicher Landesliste die passende Erlaubnis hat. Kostenlos und unverbindlich.

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