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Holzschutzmittel im Altbau: PCP, Lindan, DDT und Teeröl
Kurz gesagt: In Dachstühlen, Fachwerk und Holzverkleidungen älterer Häuser können Holzschutzmittel mit Wirkstoffen wie Pentachlorphenol (PCP), Lindan oder DDT stecken. Ob und womit ein Holz behandelt wurde, klärt nur eine Laboranalyse von Holz, Raumluft oder Hausstaub. Bei Beschwerden fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Der Weg in fünf Schritten
- Verdacht eingrenzen: Baujahr und Bauteil klären; Holz nicht hobeln, schleifen oder ausbauen (LfU Nr. 507, Stand 09/2020).
- Holz beproben lassen: Die Probe nimmt ein Sachverständiger oder Fachbetrieb; das Labor prüft auf Organochlorpestizide (LfU Nr. 409, Stand 09/2020).
- In Wohnräumen auch Raumluft und Hausstaub untersuchen lassen; die Hausstaubanalyse ist ein Screening-Instrument (UBA, Pressemitteilung 12/2008 vom 22.02.2008).
- Ergebnis von einer sachverständigen Person einordnen lassen; bei Beschwerden Ärztin oder Arzt fragen. Wir bewerten kein Ergebnis.
- Entsorgung klären: Behandeltes Altholz zählt zu A IV (§ 2 Nr. 4 Buchstabe d AltholzV, Fassung vom 19.06.2020; AVV, Fassung vom 30.06.2020). Dann ersten Fachbetrieb anfragen, kostenlos für Auftraggeber.
Warum Holz behandelt wurde
Bis Ende der 1980er Jahre mussten in der Bundesrepublik tragende Holzbauteile in Gebäuden mit einem vorbeugenden chemischen Holzschutz behandelt werden, in der DDR bis 1990 (LfU Holzschutzmittel).
Die bis 1990 gültige Norm DIN 68800 Teil 3 forderte chemischen Holzschutz für alle tragenden Bauteile und damit auch für hölzerne Dachstühle (LfU Dachstuhlholz).
Ab den 1960er Jahren wurden zunehmend auch Wände, Decken und Dachböden mit Holz verschalt; dabei kam eine Vielzahl von Holzschutzmitteln zum Einsatz (LfU Holzverkleidungen).
Welche Wirkstoffe eingesetzt wurden
Das Bayerische Landesamt für Umwelt unterscheidet drei Gruppen (LfU Holzschutzmittel):
- Lösemittelhaltige Holzschutzmittel mit organischen Wirkstoffen: PCP (Pentachlorphenol), Lindan und DDT.
- Steinkohleteerhaltige Holzschutzmittel wie Teeröle und Carbolineum; ihr Wirkstoff sind polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
- Wasserlösliche Holzschutzmittel auf Salzbasis mit anorganischen Wirkstoffen: Quecksilber, Arsen, Bor, Chrom, Fluorid, Kupfer, Zink.
Welches Verbot wann galt
Die Tabelle nennt Verbote und Herstellungsstopps, keinen Einbauzeitpunkt für Ihr Holz. Die Jahre zu PCP, Lindan und DDT stammen aus dem Stoffblatt „Holzschutzmittel und Pestizide“ des Landesamts, das Jahr zu Teeröl aus dem Stoffblatt „PAK“.
| Was | Jahr laut Quelle |
|---|---|
| DDT: Verbot in der Bundesrepublik | 1972 |
| PCP: Kennzeichnungspflicht und Verbot der Anwendung im Innenbereich | 1978 |
| Lindan: Herstellungsstopp in der Bundesrepublik | 1984 |
| Lindan: Herstellungsstopp in der DDR | 1989 |
| PCP: PCP-Verbotsverordnung | 1989 |
| DDT: Verwendung in der DDR | bis 1990 |
| Holzschutzmittel, die Teeröl enthalten: Verbot mit Ausnahmen | 2002 |
| Lindan: Verbot in der EU | seit 2008 |
Was über die Wirkung bekannt ist
PCP ist als krebserzeugend, mutagen und reproduktionstoxisch eingestuft und baut sich in der Umwelt nur sehr langsam ab. Es diffundiert nach Angaben des Landesamts über sehr lange Zeit aus behandelten Hölzern aus und belastet Raumluft und Hausstaub; das Entfernen der Quelle reicht deshalb für einen Sanierungserfolg oft nicht aus (LfU Holzschutzmittel).
Holzschutzmittel werden auch Jahrzehnte nach dem Aufbringen noch aus den behandelten Holzoberflächen freigesetzt und tragen zur Belastung von Hausstaub, Heimtextilien und Möbeln bei (LfU Holzverkleidungen).
Das Umweltbundesamt stuft PCP als „möglicherweise Krebs erregend beim Menschen“ ein und berichtet, PCP sei 2003 bis 2006 in 83 Prozent von 600 untersuchten Hausstaubproben aus Haushalten mit Kindern nachgewiesen worden; häufiger in den alten Bundesländern (UBA Pressemitteilung 12/2008).
Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Sorgen wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Wie sich eine Belastung klären lässt
Für die Probe werden oberflächennahe Späne entnommen. Die große Zahl möglicher Holzschutzmittel lässt sich nach Angaben des Landesamts am besten durch eine Laboranalyse auf Organochlorpestizide eingrenzen (LfU Dachstuhlholz).
Wir raten davon ab, verdächtiges Holz selbst zu hobeln, zu schleifen oder auszubauen; die Probe nimmt ein Sachverständiger oder Fachbetrieb.
Ein gekalkter Dachstuhl sagt nichts über Holzschutzmittel: Die Kalkung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs diente dem Brandschutz und lässt keine Aussage über weitere Behandlungen zu (LfU Dachstuhlholz).
Entsorgung: Altholzkategorie und Abfallschlüssel
Mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz gehört zur Altholzkategorie A IV (§ 2 Nr. 4 Buchstabe d AltholzV). Im Regelfall ordnet die Verordnung dieser Kategorie unter anderem Konstruktionshölzer für tragende Teile, Holzfachwerk und Dachsparren sowie Fenster und Außentüren zu (Anhang III AltholzV).
Eine chemische Analyse kann unter Umständen eine andere Zuordnung begründen (LfU Dachstuhlholz). Das Sternchen am Abfallschlüssel kennzeichnet gefährliche Abfälle (§ 3 AVV). Den Entsorgungsweg klärt die Entsorgungsfirma oder die Abfallbehörde.
| Material | Abfallschlüssel (AVV) |
|---|---|
| Holz | 17 02 01 (ohne Sternchen) |
| Glas, Kunststoff und Holz, die gefährliche Stoffe enthalten | 17 02 04* (gefährlicher Abfall) |
Was für die Beauftragung gilt
Die im Portal gelisteten Betriebe haben laut Landesliste eine Erlaubnis oder Genehmigung für Asbestarbeiten (§ 11a GefStoffV); ob ein Betrieb Erfahrung mit Holz hat, das mit Holzschutzmitteln behandelt wurde, sagt das nicht. Fragen Sie gezielt danach.
Häufige Fragen
Bis wann wurden Holzschutzmittel mit PCP verwendet?
Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt für PCP 1978 die Kennzeichnungspflicht mit dem Verbot der Anwendung im Innenbereich und 1989 die PCP-Verbotsverordnung (LfU Holzschutzmittel). Was in Ihrem Holz steckt, klärt nur die Laboranalyse.
Ist jeder alte Dachstuhl mit Holzschutzmitteln behandelt?
Das lässt sich ohne Analyse nicht sagen. Die bis 1990 gültige Norm forderte chemischen Holzschutz für alle tragenden Bauteile (LfU Dachstuhlholz). Im Innenbereich wurde nach Angaben des Landesamts auch völlig unbehandeltes Holz eingesetzt (LfU Holzverkleidungen).
Wie wird behandeltes Bauholz entsorgt?
Mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz zählt zur Altholzkategorie A IV (§ 2 Nr. 4 Buchstabe d AltholzV). Den Entsorgungsweg klärt die Entsorgungsfirma oder die Abfallbehörde.
Wann wurde Lindan verboten?
Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt für Lindan 1984 den Herstellungsstopp in der Bundesrepublik, 1989 in der DDR und seit 2008 das Verbot in der EU (LfU Holzschutzmittel). Ob Ihr Holz Lindan enthält, zeigt nur die Laboranalyse.
Kann ich Beschwerden auf Holzschutzmittel zurückführen?
Das können wir nicht beurteilen, und eine Diagnose stellen wir nicht. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Gewissheit über die Belastung eines Raums geben nur Laboranalysen von Holz, Raumluft oder Hausstaub.
Vom Wissen zum Betrieb
Nennen Sie Bauteil, Baujahr und Ort. Wir geben Ihre Anfrage exklusiv an einen Fachbetrieb, der laut amtlicher Landesliste die passende Erlaubnis hat. Kostenlos und unverbindlich.
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